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Kochbuch von 1877

Energie von hier

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Hohenloher Lyrik

Paul Rohleder

 

Weiphilosophie

 

1.

Der Karle baut an guata Wei.

Bloaß duat er als a weng Wasser nei.

Des hat 'm ebber böas vergellt.

's Amtsgricht hat glei a Schtiewle bschtellt

mit so karrierta Eiseschtenglich

im Gfängnis — net fer lebenslänglich,

Die Zeit gäht rum. Der Karl däff raus.

Ziacht wieder nei sa eiches Haus.

Glei froacht der Nachber net grod fei:

No, Karl, wie gähts en jetzt deim Wei?'

Der Karle maant:’Ha dem gäats guat, i konns kaum fassa.

Mii hewwes eigschperrt, un den hewwes laafa lassa!'

 

2.

Der Hannes gäht in d' Krona nei

un bschtellt an Ingelfinger Wei.

Am Kocher wächst a guater Tropfa,

des häart mer scho am Flaschapfropfa —

wie der sou dumpf un kräftich knallt

un diaf im Herza widerhallt.

Sich! Wie er aus dem Fläschle rollt!

Er lefft nei's Gloos wie flüssichs Gold.

Gell, doa mechsch Aacha! Doa muasch glotza!

Fengsch awwer na erscht ou zu schloza

un beischt des Wei'le un schlucksch's no,

na singscht scho beinoh ,Holdrio!'

sou fei leffts aus em Maul in Moocha —

mit Worta läßt se des kaum soocha.

Es kitzelt wie mit Fedderlich

un wärmt in alla Äderlich.

Vom Hiira bis zum groaßa Zäh

duat's iiwerol woul un närcheds wäh.

Wer des net kennt, wer des net mooch —

was waas der scho von schäna Dooch!

Was waas der scho von guata Freind,

mit dena an der Wei vereint,

mit dena mer an Gaichel schlecht

un goldne Wörtlich derzua mecht!

Denn d' Zung mit guatem Wei betupfa,

duat leicht die schwerschta Zunga lupfa.

Was in da Herza schteckt, muaß raus.

Un des gait feina Ohraschmaus.

I glaab, mer kennt's ganz wouhl prowiera,

Halbschtumme uff dem Weeh z' kuiiera.

Was wettscht? Des Ding des dät gelinga,

der Maulfaulscht dät zmoal Reida schwinga,

un alles dät oudächtich horcha

wie in der Kärch am Sunndich Morcha.

Der Text wär freilich uubeschtimmt.

Wer wißt net grod, wuher er'n nimmt.

Mer wißt aa net, wunou er'n fiahrt

un ob er se vergaloppiart.

Denn Kerlich mit sou gschmierta Kehla,

die kenna aa a Moal krakehla.

Doch manchmoal haart mer manches besser

als wie vom gscheitschta Herr Professer.

 

Sou hockt der Hannes halt bom Wei,

na kummt aa der Herr Pfarrer rei

nach ara Sitzing oawets schpoat

mitsamt em Kärchagmeinderoat.

Nach langem Roata unn Schtudiera

miassa die Herra d'Gurchelschmieara.

Der Hannes maant: ,Kommt, kommt, nemmt Platz

ihr Herra iiwern Kärchaschatz!

Es braucht se näamer vor mer färcha,

i freß kann un dua kann verwärcha.

I dua ner mit mam Gläsle winka

un em Herr Pfarrer ’Prosit’ trinka.

Der Wei mecht guat; der Wei mecht reich!

Der Wei mecht mi so groaß wie eich!

I wär sunscht aaner von da Klenschta,

wenn e denn net hätt!

Oowets isch im Wärtshaus am schenschta

un morcheds im Bett!

 

3.

Die Läwwern uff der Summerseita —

wer des hat, hat e gfährlichs Leida!

Der Duerscht verfolcht en iiwerool,

bo Dooch un Noocht, durch Berch un Dool.

Er schleicht em noach uff Schritt un Tritt

un flüschtert leis ,I waaß, was d' witt!

I waaß was d' brauchscht un was der fehlt,

un was de dunderschlächtich quält!'

Er summt un singt sä schändlichs Liad:

,Witt net a weng ins Wartshaüs miit?'

Er bäbbert frech zum Fenschter rei:

Jakob, mochscht net a Värtele Wei?'

Er joomert hinterm Oufa viar:

,Wie gut war jetzt a Fläschle Biar!'

Er hockt am Diisch der Duarscht, der Prasser,

un secht: Jakob, a Zwetschgawasser

ghäart doch zum Schenschta uff der Welt,

un mer kou's ho fer billichs Geld —

un na vielleicht in guater Ruah

a Metzelsüpple noch derzua!

Komm, gönn der’s doch so oft wie d' kouscht!

Desch besser wie da saurer Mouscht!

Desch schenner wie da dreckets Haus!

Komm! Komm! Schtäh uff! Mer gähna aus!

Mer gähna aus un kähra ei!

Komm, Jakob! Ziach de! Des werd fei!'

Was will der Jakob doa noch macha?

Er muaß — mit Heila oder Lacha —

er muaß a weng nei's Gläsle gucka

un diaf un kräftich derzua schlucka.

Er muaß se ebbes eiverleiwa

un sou den bäase Duarscht vertreiwa

un se uff s nei dem Duarscht verschreiwa.

Sou gäht des Ding im Ringel:rum

bis d' Läwwern secht:,Mir isch jetzt z'dumm!

Duarscht, mach was d' witt! Mei Gschäft isch aus!

Jakob, du ziachsch in Friedhoff nausf

Die Läwwern uff der Summerseita —

wer das hat, hat a schrecklichs Leida!

 

 

4.

A Abschtinentler kährt wu ei

un trifft an alta Mou bom Wei.

A Bauragsicht mit graua Hoar

von sechzich oder siebzich Joahr.

,Sie werden sicher Herz und Magen

mit schwerem Wein nicht täglich plagen!'

,O naa! I ploach me net mit Wei!

Desch mei Arznei un dia schmeckt fei!

Mit mir gäht's abwärts im Galopp

wenn i a Moal kann Wei mäh hob!

Naa, schätz i, däat me Herz un Moocha

von Schtund ou dunderschlächtich ploacha.

Drum halt i me recht wacker drou.

Der Wei erhält an gsunda Mou!'

,Das meinen Sie. Der Alkohol

macht Menschen krank und sehr frivol!

Doch sagen Sie mir doch geschwind,

wie alt Sie sind.'

,Wie alt? Des gäht mi jetzt nix ou.

Uff all Fäll nodi ka alter Mou!

Wie alt? Wie alt? Saudumms Gesdinatter!

Im Newazimmer hockt mei Vatter

un gaichelt un trinkt Wei un Biar —

der waas genau, wie's schtäht mit miar.' ,

Wie? Das kann doch nicht möglich sein?

Ihr Vater lebt noch und trinkt Wein?

Ich muß ihn sehn, den alten Zecher,

bei Spiel und Becher.'

Er geht. ,Grüß Gott, uralter Mann,

der so im Wein gedeihen kann!

Ich bin gespannt, ob ich erfahre

Ihr Alter, Ihres Lebens Jahre,'

,Wie alt? Des gäht mi jetzt nix ou.

Uff all Fäll noch ka alter Mou!

Wie alt? Wie alt?-Saudumms Geplärr!

Set vorna hockt der alt Herr Pfarr

un trinkt a Gloos, daß en net friart —

der waaß, der hat me konfermiart!'