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Walter Stepper

Gedanken und Erinnerungen aus Obersteinach:

 

Sehr verehrte Anwesende,

landauf, landab werden in diesen Tagen und Wochen Erinnerungen an die letzten Kriegsjahre und -tage um 1945 wachgerufen!

Der Kirchengemeinderat von Obersteinach hat mich gebeten, meine Erinnerungen von damals wiederzugeben.

Zum Kriegsende im April/Mai 1945 war ich 15 ½ Jahre alt. Eine lückenlose Zusammenfassung aller Ereignisse ist mir natürlich auch nicht mehr möglich, und ich glaube nach diesem Vortrag werden auch ältere und andere Zeitzeugen meine Ausführungen  noch ergänzen können.

Ein ganz besonderer Zeitzeuge weilt heute abend unter uns. Es ist Herr Erich Mailänder aus Ebnat im Ostalbkreis. Er war bei der hier in Obersteinach und Ruppertshofen eingesetzten Rosenheimer Pioniereinheit im Einsatz. Seit dieser Zeit hat er freundschaftliche Verbindung zu Fam. Berger/Kochendörfer. Er wird uns gerne nachher über das Kriegsgeschehen in unserem Gebiet hier berichten.

Ich darf Sie bitten, meine Aussagen als meine persönliche Meinung und Auffassung aufzunehmen.

50 Jahre Kriegsende - hierzu meine ich, gehört doch auch die Vorgeschichte dieses unseligen Kriegsgeschehens.

Geboren bin ich 11 Jahre nach Ende des I. Weltkrieges; also Jahrgang 1929, genauer gesagt, am Erntedankfest-Sonntag.

Nach Aussagen von Eltern und Bekannten in einer Zeit der Armut, Arbeitslosigkeit, sozialem Abstieg, Angst um Existenz und einer vorausgegangenen Inflation.

Hoffnungslosigkeit überkommt das deutsche Volk.

Die Ohnmacht der Parteien tut sich kund. Bis zu 30 Parteien sind oft auf Stimmzetteln vertreten.... Wahlen  -  Wahlen   -  Wahlen ....

Das Versagen der damaligen politischen Parteien nützt eine neue Partei, die NSDAP für ihre Stunde. Alle anderen politischen Parteien werden verboten. ...... 

Das Schicksal des deutschen  Volkes ist besiegelt.

Der 30. Januar 1933 wird als "Tag der Machtergreifung" proklamiert. Auch in den Gemeinden werden aufgrund des Gesetzes über die Neubildung der aufgelösten Gemeinderäte neue Gemeinderäte bestimmt, d.h. es wird nicht mehr gewählt - es wird ernannt!

Die Gliederungen der NSDAP sind ab sofort die Machtpositionen im deutschen Volk:

SA, SS,  NSV, HJ, BDM, Jungvolk - Jungmädel ab 10. Lebensjahr; NS-Frauenschaft und viele andere Gruppierungen.

Bis 1938 gehörte Obersteinach gliederungsmäßig nach Gerabronn. Danach zum Kreis und zur  Kreisleitung nach Schwäbisch Hall. Innerhalb der Gemeinden Obersteinach, Orlach und Jungholzhausen entstand die Ortsgruppe 6/441.

Warum erzähle ich dies alles? - Es waren alle, vom Kind bis zur Oma, nationalsozialistisch durchorganisiert und geprägt. Der Ortsgruppenleiter befand mit über die  Kommune. Ich darf hier auszugsweise ein Sitzungsprotokoll über die Einführung der ernannten Gemeinderäte vom August 1935 zitieren:

"Der Ortsgruppenleiter sprach in Abwesenheit des verhinderten Kreisleiters markige Worte an die ernannten Beigeordneten und Gemeinderäte und ermahnte sie auch seinerseits, zu treuer Pflichterfüllung in nationalsozialistischem Sinne. Der Bürgermeister schloß die Einführung mit einem "Sieg Heil" auf unseren Führer und Kanzler Adolf Hitler."

Das 3. Reich - das tausendjährige Reich - muß den  aktuellen Notstand beseitigen. Arbeitslose und sozial Schwache müssen wieder Arbeit bekommen. Industrie, Bauwirtschaft und Landwirtschaft brauchen Aufschwung.

Arbeitslose werden aus den Großstädten Frankfurt, Stuttgart, Essen, als Landhelfer und Landhelferinnen aufs Land verpflichtet; in Haßfelden wird eigens ein Landdienstlager für weibliche Jugend im ehemaligen Pfarrhaus eingerichtet.

Neben dieser Arbeitsbeschaffung wird aber auch schon die Rüstungsindustrie angekurbelt. Eine neue Wehrmacht wird aufgestellt. Schon im Oktober 1935 findet ein Schulungskurs für Luftschutz mit 6-tägiger Dauer in Gerabronn statt.

Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt.

1936 werden aus unserer Gemeinde schon wehrdienstfähige Männer zur Wehrmacht und zum Arbeitsdienst eingezogen und verpflichtet.

1938 wird Österreich in das Deutsche Reich eingegliedert.

 - Wir wollen heim ins Reich! - Ein Volk, ein Reich ein Führer! -

Das waren die damaligen Schlagworte.

Damals wurden aus der ehemaligen Gemeinde Obersteinach von heute auf morgen 4 junge Familienväter - Berger, Blank, Feuchter und aus Altenberg G. Ungerer - nach Niedernhall einberufen! Sie waren "gediente Soldaten", die bereits am I. Weltkrieg teilgenommen hatten. Nach einigen Tagen der Bereitstellung wurden sie wieder entlassen.

 

Die Staatskonflikte beginnen sich anzubahnen.

Das Deutsche Reich schlittert wieder in einen Krieg.

Ich möchte ein Kampflied der damaligen Zeit zitieren:

"Es zittern die morschen Knochen

der Welt vor dem großen Krieg.

Wir haben den Schrecken gebrochen

für uns wars ein großer Sieg.

Wir werden weitermarschieren,

wenn alles in Scherben fällt.

Denn heute da hört (gehört) uns Deutschland

und morgen die ganze Welt."

Als 10-jähriger Junge erlebe ich das kommende Unheil hautnah. Der 26. August 1939, Getreideernte, wir, d.h. die ganze Familie hat den ganzen Tag Getreide geerntet und eingefahren. Ein schwüler Tag! Am Abend wurden dann die Erntewagen abgeladen. Es erscheint der Ortsgruppenleiter mit dem Stellungsbefehl für meinen Vater. Er muß am anderen Morgen, 27.08.39, 6.00 Uhr, nach Cappel bei Öhringen, zur Zusammenstellung seiner Einheit, einrücken.

Neben meinem Vater erhalten in dieser Nacht

  • · Friedrich Feuchter
  • · Ernst Blank
  • · Friedrich Bayer
  • · Friedrich Baumann
  • · Friedrich Pfeiffer aus Windisch-Brachbach
  • · Christian Megerle aus Söllbot
  • die gleiche Order, nur an verschiedene Einberufungsorte.

Andere aktive Soldaten der Gemeinde waren ja bereits schon einberufen.

 

Nach wenigen Tagen - Kriegserklärung und Einmarsch in Polen!!

Der große Krieg beginnt.

Es beginnen die Einschränkungen der Zivilbevölkerung. Ab sofort Lebensmittelbewirtschaftung, Lebensmittelkarten, Bewirtschaftung aller Verbrauchsgüter (Bezugsscheine).

Verdunkelung; Straßenbeleuchtung abgeschaltet; aus sämtlichen Fenstern und Gebäuden darf kein Lichtschein mehr ins Freie dringen. Autoscheinwerfer und selbst Fahrradbeleuchtungen müssen mit einer Kappe mit schmalem Schlitz überzogen werden, damit nur ein kleiner Lichtstreifen bei Nacht auf die Straße fällt.

Die ernannten Luftschutzwarte kontrollieren diese Maßnahmen. In der Nacht ist völlige Dunkelheit und Ruhe.

Am 01.09.1939 beginnt der Polenfeldzug; in einem wahren Kriegs- und Machtrausch folgen die Eroberungskriege gegen Norwegen - Holland - Belgien - Frankreich - Nordafrika; Jugoslawien, Griechenland, Rußland. Man hatte sich einen Vierfrontenkrieg aufgebürdet. Eine direkte Auseinandersetzung mit England, gleich nach dem Frankreichfeldzug 1940/41, durch das geplante Übersetzen über den Kanal,  fand nicht statt.

Für viele der Militärs war die damalige Entscheidung Hitlers nicht verständlich.

Der Siegesrausch erfaßte weite Bevölkerungsschichten. Ich darf nur daran erinnern. Als Hauptstädte wie z.B. Paris eingenommen waren oder der Waffenstillstand mit den besiegten Ländern vollzogen war, mußten wir Jungen die Kirchenglocken läuten, wohlgemerkt an den Seilen ziehend, ½ Stunde lang, damals gab es noch kein elektrisches Läutwerk!

Inzwischen haben aus unserer früheren Gemeinde über 90 Männer und Jugendliche den "grauen Rock" angezogen. Auch junge Frauen waren als Luftwaffenhelferinnen und Arbeitsmaiden eingesetzt. Verschiedene Landwirte mußten Pferde für die Wehrmacht abgeben. Die Landwirte mußten jährlich eine bestimmte Menge an Heu und Hafer für diese Pferde abliefern.

Wie wir ja alle wissen, sind aus diesem unheilvollen Krieg viele nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt.

Aus Obersteinach   15 Personen

aus W.-Brachbach  10 Personen

aus Altenberg    3 Personen

aus Niedersteinach   1 Person

aus Söllbot    2 Personen.

Sie starben den "Heldentod für Führer, Volk und Vaterland"!

 

Während der Kriegsjahre waren hier in unserer früheren Gemeinde evakuierte Personen aus dem Saargebiet untergebracht. Aus Essen waren im März 1943 ca. 60 Personen unterzubringen. Aus den zerbombten Städten Stuttgart und Heilbronn wurden noch zusätzlich Verwandte und Bekannte aufgenommen. Genau so selbstverständlich auch die ganze Volksschule aus Rotenberg, 46 Kinder mit ihrem Lehrer.

Als Arbeitskräfte waren Kriegsgefangene aus Frankreich und Rußland hier eingesetzt. Aus Polen waren viele junge Männer und Mädchen hierher verschleppt worden. Später kamen dann noch aus der Ukraine landwirtschaftliche Arbeitskräfte zu uns. Diese waren zeitweise im Postsaal untergebracht. Sonntags konnte man deren heimatliche Lieder mitanhören. Es war ein Ohrenschmaus.

Die Übermacht der Alliierten  - USA, England und Sowjetunion - wurde ab Ende 1943 spürbar; massive Bombereinsätze und überlegene Truppen- und Materialeinsätze führten zum Zusammenbruch an allen Fronten und zu der Zerstörung der Industrieanlagen. Auch die neu geschaffenen V-Waffen konnten keine Änderung der Kriegslage mehr bringen. 1944 wurde noch mit dem Bau einer Start - und Landebahn für Flugzeuge oder Raketen auf der heutigen Autobahntrasse bei Hörlebach/Ilshofen begonnen.

Die amerikanischen und britischen Bomberverbände flogen in Tag- und Nachteinsätzen Angriffe auf viele deutsche Städte. Diese wurden im Rundfunk durch einen Kuckucksruf angekündigt, damit sich die Bevölkerung auf einen eventuellen Angriff vorbereiten konnte. Die Zivilbevölkerung wurde oder sollte moralisch getroffen werden.

Mit der Landung amerikanischer und britischer Streitkräfte in Frankreich und dem russischen Vormarsch aus dem Osten, wurde das Schicksal Deutschlands eingeläutet.Die Kämpfe spielten sich bald auf deutschem Boden ab. Im Dezember 1944 mußten nochmals ca. 40 Personen aus dem Saargebiet aufgenommen werden.

Es werden Bürger zum "Schanzen" an die Westgrenze abkommandiert.

Entlang der Hauptstraßen mußten alle 100 m Schutzlöcher und Deckungslöcher angelegt werden.

Die "Jabos" - Jagdbomber der Amerikaner  - waren täglich da. Die Bahnlinie stand unter deren Luftkontrolle. Während des ganzen Krieges waren die Waggons geziert mit dem Spruch: "Räder müssen rollen für den Sieg!" und die "Jabos" meldeten sich mit Flugblättern: "Wir sind die verwegenen 8 und kommen bei Tag und Nacht!"

Im Sportpalast in Berlin, ich kann den Ausruf heute noch hören, fragte der damalige Propagandaminister Dr. Goebbels: "Wollt ihr den totalen Krieg?" - Die dort Vertretenen, meist Parteigrößen, riefen ganz hysterisch: "JA! Führer befiehl, wir folgen Dir."

Die Fronten rückten immer näher.

Die deutschen Medien berichteten immer noch von siegreichen und erfolgreichen Abwehrkämpfen.

Der Londoner Sender BBC dagegen berichtete von den Erfolgen der Alliierten. Ganz dicht das Ohr am Radio, hörte man nachts den Sender mit den Nachrichten in deutscher Sprache. Nicht auszudenken, wenn dieses Abhören gemeldet worden wäre. Als Volksfeind wäre man verurteilt worden!

Und so kamen die Kampfhandlungen immer näher. Am 4. April 1945 berichtet das Haller Tagblatt:

"Der starke feindliche Druck hält weiter an!"

Ich selbst befand mich noch Ende März 1945 im Wehrertüchtigungslager auf der Comburg. Dort wurden bereits Vorbereitungen getroffen, um weitere Jugendliche aus Heilbronn zum Kampfeinsatz unterzubringen. Wir wurden von dort nach Hause entlassen, jedoch mit der Verpflichtung, am 4. April 1945 wieder einzurücken! Zu Fuß machten sich  Ernst Kraft aus Elzhausen, Helmut Herterich aus Altenberg und ich auf den Nachhauseweg. Sie können sich vorstellen wie unsere Eltern auf diese Verpflichtung reagiert haben.

Zwei 14-jährige, Walter Feuchter und Erwin Rothenburger, erhielten ebenfalls Einberufungsbefehle. Erwin Rothenburger stellte sich in Hall, er kämpfte in der Cröffelbacher Steige und landete dann schließlich im Allgäu in amerikanischer Gefangenschaft. Auch Helmut Herterich machte sich auf den Weg nach Hall. Sein Vater fuhr ihm mit dem Fahrrad hinterher und holte ihn ab Enslingen wieder nach Hause.

Inzwischen sind die amerikanischen Panzerspitzen in die Gegend von Bad Mergentheim vorgestoßen.

In diesen Tagen fahren 2 pferdebespannte Leiterwagen mit Volkssturmmännern aus Bad Mergentheim durch Obersteinach, dieselben sollen den rückwärtigen Raum militärisch sichern.

Zur selben Zeit werden im Fußmarsch ca. 100 russische Kriegsgefangene mit Bewachung durch den Ort geführt. Sie machen hier Verpflegungsstop. Ein Rind wird von Schneiders aufgekauft und durch meinen Onkel, Wilhelm Berger,  geschlachtet.

Weitere Volkssturmmänner aus dem Raum Bruchsal werden in Obersteinach stationiert. Ihr Aufenthalt dauert nur 1 Tag, ihr Gepäck wurde hier im Leichenwagenraum beim Farrenstall deponiert. Nach Kriegsende waren nur noch wenige Gepäckstücke vorhanden. Ausländer, aber auch viele Einheimische hatten sich mit diesen meist Zivilkleidern eingedeckt.

Und was geschieht mit den Obersteinacher Volkssturmmännern?

Der hiesige Ortsgruppenleiter kommt zur Dorfmitte und erklärt, er habe einen Anruf vom Kreisleiter erhalten, die Obersteinacher Volkssturmmänner hätten sich unverzüglich zu sammeln um sich dann nach Schwäbisch Hall zum weiteren Einsatz zu begeben. Mein Vater sowie Herr Schultheiß Schust ,aber auch der Führer des Volkssturms , mein Onkel Friedrich Rummler, lehnten diese Anordnung strikt ab. Man hörte schon den Kanonendonner aus Richtung Mergentheim/Blaufelden.

"Das wird noch ein Nachspiel haben!" meinte der Ortsgruppenleiter und begab sich nach Hause um den Kreisleiter die Einstellung der Obersteinacher wiederzugeben.

Sie können sich vorstellen, mit welchem Wagnis diese Männer hier gehandelt hatten.

Nach Kriegsende erfuhr man, daß der Polizeiposten Untermünkheim den Auftrag hatte, die Obersteinacher "Verweigerer" zu verhaften und einem Standgericht zuzuführen.  Ein Vergleich zu den Ereignissen in Brettheim ist hier angebracht.

 

In diesen Tagen war dann auch Anlaß, den sogenannten "Stürmerkasten", ein Schaukasten der Hetzpropaganda gegen das Judentum, der in der oberen Straße bei Bayers Garten aufgestellt war, zu entfernen.

In großen Buchstaben stand da geschrieben:

"Die Juden sind unser Unglück."

Es wurde befürchtet, daß, wenn die Amerikaner hier einmarschierten ein "großes Unglück passieren würde oder könnte".

Der Kanonendonner rückt immer näher.

Ein Panzerkeil der Amerikaner rückt von Crailsheim die Reichsstraße, heutige Bundesstraße, in Richtung Ilshofen. Deutsche Truppen bewegen sich auf die Ilshofener Ebene zu, um den amerikanischen Vormarsch zu stoppen.

Pfarrer Gsell schreibt in der Obersteinacher Ortschronik:

"Schon Ende März kommen sich zurückziehende deutsche Truppen hier durch. Es schien, als sollte die letzte Schlacht in unserer Gegend geschlagen werden. Es kamen Wehrmacht und SS-Truppen hier durch, dieselben Heeresverbände machten hier und in der Umgegend Quartier und wurden von den Bauern verköstigt. Sie kamen sehr bescheiden und abgespannt hier an. Alle ohne besondere Hoffnung, auf einen Endsieg.

Wir konnten Karfreitag und Ostern noch in Ruhe feiern, es war der 30. März und 1. April.

Am Sonntag, dem 8. April konnte ich als Pfarrer hier nur eine kurze Andacht halten, da alle im Dorf unruhig waren und aufs Schlimmste gefaßt und ununterbrochener Donner und Lärm der Geschütze nah und fern. Und die feindlichen Flieger über uns.

Nachmittags, 3.00 Uhr, predigte ich in Altenberg. Auf dem Heimweg fielen Granaten schon ganz in meiner Nähe nieder."Soweit Ausschnitte aus der Obersteinacher Chronik, von Pfarrer Gsell.

An jenem Sonntag, dem 8. April, schon früh morgens, gegen 8.00 Uhr, bauten deutsche Soldaten eine Funkstation unter dem Vordach der Scheune Schneider/Dierolf auf. Es herrschte reger Funkverkehr. Gegen 9.00 Uhr, wie aus heiterem Himmel, wurden ca. 100 SS-Leute mit ziemlich neuen Krädern und Kübelwagen, hier nach Obersteinach zum Einsatz angefahren. Die Motorfahrzeuge fuhren wieder in Richtung Orlach zurück. Schwer bewaffnet bezogen die SS-Leute am Ortsrand Stellung. Die Obersteinacher mußten Spaten und Schaufeln zur Verfügung stellen.

.3 Obersturmbannführer richteten einen Befehlsstand im Rathaus, damals noch im "Ochsen", ein. Die Rathausräume waren umfunktioniert.

Helles Entsetzen überkam die ganze Bevölkerung.  "SS" bedeutete nach aller Regel schwere Bedrohung. Mein Vater und andere Bürger wollten dieser Bedrohung mit dem Vorschlag, daß gleichzeitig eine Stationierung einer Sanitätseinheit hier am Ort ausgewiesen wird, entgegenwirken.  Nach langem Zögern willligte die SS-Leitung zu diesem Vorschlag ein, wohlwissend, daß diese Maßnahme überhaupt nichts bringen konnte. Schnell wurden 2 Rotkreuzfahnen, z.Teil aus Hakenkreuzfahnen gefertigt und  am Kirchturm und am "Ochsen" (Rathaus) zum Dach heraus gehängt.

Am späten Nachmittag wird Haßfelden beschossen. Wir können vom Ortsrand aus beobachten und hören die Abschüsse und die Einschläge der Granaten. Wir sehen den Rauch aufsteigen, man glaubte, ganz Haßfelden steht  in Flammen. Inzwischen ist hier in unserer Unteren Straße eine bespannte Artillerie-Einheit einmarschiert. Ganz im Schatten und in der Deckung der Häuser. Eine weitere Gefahr. Dieselbe Einheit wird nachts wieder abgezogen. Am Montag, 9. April, wird sie zwischen Obersteinach und Niedersteinach, beim Steinbruch, von den Amerikanern angegriffen. Dort lag noch nach Tagen ein zusammengeschoßenes Pferd.

Obersteinacher und Brachbacher "Pferdeliebhaber" hatten die restlichen Pferde, es waren wunderschöne Kaltblüter, eingefangen und in ihren Scheunen versteckt. Nicht lange;  die Einheit wurde wieder zusammengestellt und die Pferde sichergestellt.

Und dann der "Ari-Flieger" über uns. Man nannte ihn die "lahme Ente". Ganz langsam machte er seine Beobachtungsflüge. Keine SS machte sich bemerkbar. Sie hatten sich so unsichtbar eingeschanzt. Die Panzerspitze der Amerikaner zog weiter über Windisch-Brachbach. Dort wurden durch Brandgranaten das Wohnhaus und die Schreinerei der Fam. Frey, sowie das Wohnhaus und Stall/Scheunengebäude der Fam. Protzer eingeäschert. Durch Beschuß in Niedersteinach war das Anwesen der Fam. Hanselmann vernichtet worden. Obersteinach war praktisch von den Amerikanern umzingelt. Und mittendrin 100 SS-Soldaten.

Am Montagmorgen, 9. April, soll nun auch das Kriegsschicksal Obersteinach erreichen. Die ganze Einwohnerschaft hatte sich in die schützenden Keller begeben. Von Leofels über Dünsbach hatte sich eine weitere Panzerspitze der Amerikaner in Richtung Nesselbach vorgeschoben. Von diesem Raum aus wurde dann Obersteinach beschossen. Dabei brannten die Wohngebäude von Fam. Kaufmann (Bahmer), die Scheune von Fam. Ade und das Lagergebäude und das Büro des EWB  (ehem. Scheune Schust) ab. Die Scheune von Bergers fing ebenfalls Feuer, wurde jedoch durch rasches Eingreifen, auch unter Mithilfe der SS-Soldaten, gerettet. Das Stall- und Scheunengebäude der Fam. Bühler, Söllbot (heute W. Stapf), ging ebenfalls in Flammen auf.

Eine Brandgranate explodierte an der Grundmauer der "Post". Wenige Meter neben dem Kellerfenster. Im Keller befanden sich über 40 Einwohner. Sie mußten aufgrund der starken Rauchentwicklung aus dem Keller flüchten.

Eine Sprenggranate flog durch das Fenster im Untergeschoß des Hauses Schust; sie explodierte im Zimmer. Im Keller darunter befanden sich die Familien Schust und Stepper und eine evakuierte Familie aus dem Saargebiet. Die Decke hielt der Explosion stand aber der ganze Verputz fiel auf uns herab. Wegen des brennenden, angebauten EWB-Lagergebäudes konnten wir das Haus nicht durch die Haustür verlassen, so mußten wir durchs Kellerfenster - auch meine 80-jährige Großmutter - ins Freie schlüpfen!  Wir fanden dann Schutz und Aufnahme im "Ochsen-Keller".

Durch den noch immer währenden Beschuß konnten die Löscharbeiten nur unter Gefahr ausgeführt werden. Die elektrischen Oberleitungsdrähte, die ja noch Strom führten und auch zum Teil abgeschossen waren, lagen auf der Straße herum und boten eine zusätzliche Gefahr. Das Stromnetz mußte abgeschaltet werden. Ebenso war keine Telefonverbindung mehr möglich, da damals die Telefonleitungen noch auf den Holzmasten verlegt waren. Es herrschte eine völlige Isolation nach außerhalb. Wegen Stromausfall kein Radio. Man wußte nicht mehr was in den Außenorten los war.

Im nahen Jagsttal, bei Forst, war eine deutsche Artillerieeinheit in Stellung; zu dieser Einheit gehörte auch ein junger Soldat aus Obersteinach; 3 mal versuchte er seinen Heimatort zu erreichen. Es war Erich Baumann, jetzt wohnhaft in Gaisbach. Jedesmal wurde ihm, als er oben am Kaile stand, abgeraten, sich in seine nahe Heimat zu begeben, da eine SS-Einheit dort stationiert sei.

Ebenso war der Obersteinacher Soldat Karl Friedrich in Heimatnähe. Er kämpfte bei Wolpertshausen, Eckartshausen und dem Burgberg. Auch für ihn war ein Absetzen nicht möglich.

Bei Sandelsbronn fiel an jenem 9. April ein deutscher Soldat.

In Altenberg kam die junge Lore Ziegler, auf dem Nachhauseweg vom schützenden Grimbach,  durch Granatsplitter ums Leben, 2 weitere Frauen wurden durch Splitter verletzt. Im Ort hatte die SS Stellung bezogen. Weitere Einheiten kamen aus der nahen Grimbachschlucht. Die Altenberger verpflegten und versorgten die Soldaten mit Speis und Trank. In der folgenden Nacht sind sie wieder abgezogen.

Der deutsche militärische Gegenstoß aus Richtung Crailsheim machte sich bereits am Abend des 9. April hier bemerkbar. Die Amerikaner zogen sich aus unserem Raum zurück.

Die sich im Ort befindliche SS-Einheit wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. April mit der Hilfe von  Helmut Fischers Ortskenntnissen, über Altenberg durch den Grimbach, ins Kochertal verlegt.

Nachdem nun der Ort wieder frei war, besann man sich, ob man nun die weiße Flagge "freie Ortschaft" hissen sollte. Dies wurde dann auch an verschiedenen Häusern durchgeführt.

Am Freitag,  dem 13. April 1945, erscheint im Haller Tagblatt (dieses erreicht jedoch Obersteinach nicht mehr) folgende, ernste Warnung:

"Der Feind versucht die Bevölkerung zu veranlassen, das Schließen von Panzersperren zu verhindern. Ich mache mit allem Ernst darauf aufmerksam, daß jeder Versuch, die Schließung einer Panzersperre zu verhindern oder eine geschlossene Panzersperre wieder zu öffnen, auf der Stelle mit dem Tode bestraft wird. Ebenso wird mit dem Tode bestraft, wer eine weiße Fahne zeigt. Die Familien der Schuldigen haben außerdem noch drakonische Strafen zu erwarten.Stuttgart, den 13. April 1945 Gauleitung"

Ab Dienstag, 10. April, waren dann wieder deutsche Truppenbewegungen in Richtung Laßbacher Wald.

Die durchziehenden Truppen stellten dann fest, daß noch einige weiße Fahnen an den Gebäuden hingen. Sie drohten, wenn diese nicht umgehend eingeholt würden, werde man die Gebäude mit Panzerfäusten einebnen.

Von Mittwoch, 11. April  bis Sonntag, 15. April, war es dann verhältnismäßig ruhig, nur unaufhörliches Donnern der Geschütze war zu hören und in der Luft die gefährlichen Jabos. Während dieser ruhigen Tage machte sich Herr Schultheiß Schust, der damalige Vorstand des EWB auf, um die unterbrochene elektrische Leitung von Obersteinach nach Braunsbach zu finden. Außer ihm war ja nur noch der Meister der Freileitung Herr Kappes, senior, im Ort. Alle anderen Monteure waren nicht mehr hier. Auch die OT-Leute, die der sogenannten "Kupferaktion" angehörten und alle elektrischen Kupferleitungen durch Eisendraht ersetzten, hatten sich in ihre Heimatorte begeben. Es gab ja schon seit Montag, 9. April, keine Stromversorgung mehr. Auch Wachskerzen und Petroleumlampen waren knapp.

Am 15. April, nachmittags, bezog dann ein Einsatzkommando der Wehrmacht den "Ochsen" und das Rathaus als Befehlsstand. Da wir uns immer in Kellernähe dort  aufhielten, konnte man das Kommen und Gehen der Soldaten, die Befehlserteilungen usw. mitverfolgen. Auch ein Ritterkreuzträger war unter den Offizieren.

Am Ortsrand von Windisch-Brachbach und am Grimbachrand war eine deutsche Werferbatterie in Stellung gegangen. Sie beschoß die feindlichen Linien bei Langenburg/Binselberg.  Die Soldaten machten bei ihrem Abzug aus den Stellungen die Brachbacher darauf aufmerksam, daß sie innerhalb 24 Stunden mit einem Flugzeugangriff zu rechnen hätten. Das sei noch überall so gewesen, wo die gefürchteten Werfer im Einsatz waren.

Es kam die Wirklichkeit.

Der 16. April beginnt ab 10.00 Uhr mit Schrecken für Brachbach. 8 Jabos schwärmen im Tiefflug über und um Brachbach. Wir können dies alles hier von Obersteinach aus beobachten. Hintereinander fliegen sie in Nord-Süd-Richtung und belegen den Ort mit Bomben und Bordwaffen.  Man sieht die Besatzungen; man sieht wie sich die Bomben von den Flugzeugen lösen und heftige Detonationen verursachen. Die Jabos kurven - Runde um Runde - um den kleinen Ort und beschießen ihn mit Bordwaffen. Es steigt Rauch auf, und man meint ganz Brachbach ist ein Brandherd. Fassungslos und hilflos müssen wir von Obersteinach aus zuschauen.

Bei diesem Angriff wurden durch Brand 10 Stall- und Scheunengebäude zerstört. Dabei mußte viel Vieh und Schweine einen qualvollen Tod sterben. Die meisten Gebäude wurden durch Bordwaffenbeschuß schwer beschädigt. Durch Bomben wurden die Gebäude Bauer, Feuchter und Gagstatter ziemlich beschädigt, da die Bomben in den jeweiligen Hofräumen explodierten.

Nach  einer Woche etwa, konnten wir dann Windisch-Brachbach in Augenschein nehmen. Trostlos!  Aber welch ein Wunder! Alle Einwohner kamen mit dem Schrecken davon. Es war wirklich ein großes Wunder!

Je 2 Bombentrichter in den Hofräumen von Pfeiffers/Bauers, bei  Feuchters und Gagstatters. Die Wohnhäuser, es waren Fachwerkhäuser, waren total verschoben und mußten später abgerissen werden. Eine nichtgezündete Bombe(Blindgänger)

wurde nach einigen Jahren zwischen den Anwesen Neber und Rummler ausgegraben und entschärft. 8 Bombentrichter waren am Ortsrand.

 Vieh und Schafe aus Brachbach hatten Reißaus nehmen können. In Obersteinach wurde damals das Vieh eingefangen. 2 verletzte Schafe mußten notgeschlachtet werden. Hausmetzger Karl Strecker und Fr. Hermann schleiften die toten Schafe an den Keller von Hermanns und zerlegten diese dort am Nachmittag.

Gegen Abend setzte dann wieder die Beschießung von Obersteinach ein. Deutsche Soldaten kamen aus Richtung Söllbot/Nesselbach hier an. Sie rechneten nun mit dem amerikanischen Angriff auf Obersteinach. Die Bevölkerung begab sich in die schützenden Keller, und dann gegen 21.00 Uhr ging es los. Die nahenden Panzer und die Infanterie beschossen den Ort. Es brannten die Haus- und Stallgebäude von Fam. Karl Breyer und Fam. Köhler ab. Die große Scheune von Wiedmanns wurde ebenfalls durch Brandgranaten zerstört. Im Keller hörte man, wie sich deutsche Soldaten im Schutze der Hausmauern zurückzogen. Wir verließen den Keller, um am brennenden Wohnhaus Köhler zu retten, was noch zu retten war. Schüsse und Querschläger schwirrten durch die Luft. Mit der Luftschutzspritze und eine Eimerkette bildend, pumpten wir vom Schöpfbrunnen in unserem Stall das Löschwasser. Walter Schust, mein Vater, meine Schwester Lotte und ich waren eifrig mit löschen beschäftigt, als plötzlich amerikanische Soldaten, mit dem Gewehr im Anschlag, vor uns standen. Oh Schreck - Walter Schust und ich ließen die Spritze aus den Händen fallen, rissen die Arme hoch. - Sie müssen bedenken, Walter Schust hatte sich als verwundeter Soldat vom Lazarett in Hall abgesetzt und ich befand mich im zweifelhaften Alter der sogenannten "Wehrwölfe".

Und wieder geschah ein Wunder! "Weiterpumpen" war die Geste der Befreier. Erleichterung für uns alle. Die Amerikaner durchkämmten in dieser Nacht noch den ganzen Ort nach deutschen Soldaten. Diese hatten sich, für den Ort glücklicherweise, über den Elber und Buchweg, ins nahe Stettholz abgesetzt.

Plötzlich, während unserer Löscharbeit, kommt Helmut Fischer von der Oberen Straße und sagt: "Stepper, Ihr sollt in die Obere Gasse kommen, die Amerikaner wollen den Bürgermeister sprechen."  - Mein Vater ging mit. Erst in der Frühe kam er wieder zurück, mit den 1. Anordnungen der Amerikaner.

Mit Tagesanfang am 17.04.1945 konnte man nun die Ausmaße der Zerstörung erkennen, aber auch die ungeheuere Streitmacht der Amerikaner. In der Oberen Gasse standen Panzer und andere Fahrzeuge.  Soldaten, auch Schwarze darunter, die ich zum ersten Mal in meinem Leben sah.

Vor dem Haus Kochendörfer lief schon ein Notstromaggregat, um die Amerikaner mit Strom zu versorgen.

Niedersteinach wurde ebenfalls am 16. April besetzt. Hier wurde das Anwesen Gagstatter am Nachmittag in Brand gesetzt.

Beim Einmarsch der Amerikaner dort, floh ein deutscher Soldat in einen Keller, wo auch die meisten Niedersteinacher Schutz gesucht hatten. Die Amerikaner hatten dies bemerkt und forderten den Soldaten auf, herauszukommen, andernfalls würden sie eine Handgranate hinunterwerfen. Der Soldat rettete durch seine Aufgabe die Kellerinsassen. Anderntags fand man einen gefallenen Soldaten hinter Fischers Scheune. Er wurde beerdigt, später dann wurde er ins Sammelgrab nach Nesselbach gebracht.

Auch Windisch-Brachbach wurde am 16. April, abends, besetzt. Dieser Ort brauchte wahrlich keine Beschießung mehr. Seit Vormittag herrschte dort die totale Vernichtung.

Söllbot wurde ebenfalls am 16. April besetzt.

Eigentlich war man nun froh, daß endlich die schon eine Woche andauernden Kampfhandlungen beendet waren.  Man sah eine übermächtige amerikanische Streitmacht, die den  abgekämpften deutschen Soldaten gegenüber stand.

Aber der Kampfeswille der deutschen Truppen war noch nicht gebrochen.

Gegen 9.00 Uhr am 17.04.45, die Amerikaner schwärmten schon für einen weiteren Angriff in Richtung Sandelsbronn/Landturm aus, beschoß deutsche Artillerie Obersteinach. Sie hatte sich auf die Dorfmitte eingeschossen, Hönniges Haus, Breyers Hütte, das EWB-Werkstattgebäude, Schneiders Haus und der Bereich Untere Straße wurden mit Sprenggranaten belegt. Es waren vielleicht 20 Granaten und es entstanden wieder große Häuserschäden.

Auch die Amerikaner hatten Verwundete zu beklagen. Man hatte schon Angst, dieser Beschuß würde Auswirkungen seitens der Amerikaner gegenüber der Obersteinacher Bevölkerung haben.

Windisch-Brachbach wurde auch wieder von deutscher Artillerie beschossen. Mein Onkel, Friedrich Rößler, hatte sich mit einem Bekannten kurz aus dem Keller begeben, und mit ihm besprochen, wie es nach den vernichtenden Bränden weitergehen solle, da schlug eine deutsche Granate in der Nähe ein und verwundete meinen Onkel durch Granatsplitter am Hinterkopf.

Josef, der polnische Arbeiter bei Rößlers, bat die Amerikaner, seinen Bauern doch ins Lazarett mitzunehmen. Seither ist Onkel Rößler verschollen.

 

An dieser Stelle möchte ich doch erwähnen, daß viele polnische und russische Arbeiter ihren Bauernfamilien bei den Bränden Hilfe und Unterstützung geboten haben. Die meisten deutschen Männer waren ja bei der Wehrmacht. Einige junge Ukrainer kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück; machten sich hier selbständig, heirateten hier und wurden zu anerkannten und angesehenen Mitbürgern.

 

Am 16. April kamen wieder deutsche Truppen nach Altenberg, zugleich wurde dort ein Hauptverbandsplatz eingerichtet, der die deutschen Verwundeten betreute. Ein Wehrmachtsarzt war im dauernden Einsatz. Mit einem Motorrad mit Seitenwagen wurde er von Standort zu Standort gefahren. Durch das Nahen der Amerikaner wurde der  Verbandsplatz dann verlegt.

Der 17. April war der Besetzungstag von Altenberg. Auch dort wurde der Ort nochmals beschossen.  Georg Ungerer wurde dort, vor seinem Haus, tödlich getroffen. Eine Granate schlug in die Kirche ein und blieb als Blindgänger neben dem Altar liegen. Zwischen 16.00 Uhr und 17.00 Uhr sind dann die Amerikaner einmarschiert.

 Sie durchsuchten alle Gebäude, aber die Deutschen hatten sich ja vorher abgesetzt. Im Hause Ebert (H.Horlacher) wurde dann anderntags ein amerikanischer Gefechtsstand aufgebaut. Die Familie Ebert mußte ausziehen und fand im Haus Hanselmann Unterkunft. Ein unbekannter Soldat, der nahe Altenberg gefallen war, wurde im Altenberger Friedhof beerdigt.

Wie schon erwähnt, die Kampfhandlungen gingen weiter Richtung Süden. Auf dem Höhenrücken Sandelsbronn - Wasenhöhe - Espe hatten sich eine deutsche SS-Einheit und Pioniereinheiten eine Verteidigungslinie aufgebaut. Eine weitere Verteidigungslinie war auf dem nächsten Höhenrücken beim Landturm aufgebaut. Beide Anhöhen waren für die Deutschen strategisch wichtige Linien, um den Kampfablauf und das Herannahen der Amerikaner zu kontrollieren und zu beobachten. Hier fanden schwere Kämpfe statt.  Man bemerkte dies auch; Rotkreuzfahrzeuge, aber auch Jeeps mit aufgebauten Bahren brachten Verwundete zum Hauptverbandsplatz, in den die Räumlichkeiten  der "Sonne" umfunktioniert waren. Ihre toten Soldaten wurden hier in der Pfarrscheuer vorläufig untergebracht.

Aber auch deutsche Gefangene wurden hierher gebracht. Vor dem Rathaus/Ochsen wurden sie, nicht gerade besonders freundlich, entwaffnet. Ihre ganzen Habseligkeiten mußten sie dort ablegen. Mit erhobenen Armen wurden Sie in Ades Garten (heute Schickner) und auf dem Friedhofsweg zusammengetrieben. Den ganzen Tag mußten sie dann weiter mit erhobenen Armen ausharren.

Am 17. April war dann auch Sandelsbronn in amerikanischem Besitz.

 

Eine amerikanische Artillerieeinheit bezog Stellung in Schneiders Viehweide, am östlichen Ortsrand, Richtung Dünsbach. Sie beschossen eine ganze Nacht lang,man  vermutete Hörlebach, Ruppertshofen und andere Orte. Berge von Kartuschenhülsen des Kalibers 10,5 sind dort wochenlang gelegen.

Am 18. April 1945 trugen Sandelsbronner Bürgerinnen, mit einem weißen Bettlaken vorausgehend, einen schwerverwundeten deutschen Soldaten ebenfalls zum amerikanischen Hauptverbandsplatz. Er lag jammernd und schreiend neben der Straße beim Sandelsbronner Hölzle. Ob ihn wohl seine Gegner bemerkt hatten? Die Amerikaner veranlaßten am 19. April die Einholung der gefallenen deutschen Soldaten. Darunter waren auch 3 deutsche Gefallene; 2 Soldaten und ein Oberleutnant, die im Waldteil Kaile gefunden wurden. Von einem damals hier kämpfenden Unteroffizier war später zu erfahren, der Oberleutnant habe 2 Soldaten wegen Befehlsverweigerung erschossen; daraufhin hätten Kameraden der 2 Soldaten ihren Oberleutnant erschossen. - Übrigens war der Kailes-Nordrand auch mit deutschem Militär besetzt, wie sich nachher durch die vielen ausgegrabenen Deckungslöcher feststellen ließ.

22 gefallene Soldaten wurden am 20. April in einem Massengrab im Obersteinacher Friedhof beigesetzt und durch Pfarrer Gsell kirchlich beerdigt. Während dieser Beisetzung meinten einige amerikanische Soldaten, Schießübungen auf eine tote Kuh von Breyers, nahe am Friedhof, ausüben zu müssen. Pfarrer Gsell, er hatte seine Armbinde mit Kreuz umgebunden, veranlaßte eine Unterlassung dieser Störung.

Laut Anordnung der amerikanischen Kommandantur mußten alle Waffen, Fotoapparate, Ferngläser, die im Privatbesitz waren, abgegeben werden. Diese wurden dann vor dem Rathaus vernichtet.

Ab abends, 18.00 Uhr, war es der Bevölkerung verboten, sich auf der Straße zu bewegen. Auch war das Verlassen der Ortschaft untersagt. Zum Glück waren es wunderschöne, warme Frühlingstage, so konnte man nun, wenn möglich, kleinere Schäden an den Wohnhäusern beheben.

Unsere damalige Hebamme, Frau Greiner, mußte in diesen "Sperrzeiten" auch drei mal tätig werden. Unter "militärischem Schutz" begab sie sich zu Geburten nach Sandelsbronn und Windisch-Brachbach. Auch hier im Ort selbst konnte sie sich nur unter diesen Vorsichtsmaßnahmen bewegen.

 

Viele Häuser und Wohnungen wurden von den Amis beschlagnahmt und besetzt. Den Bewohnern wurde nur eine kurze Zeit zugestanden, um das Nötigste an Nahrung und Bekleidung herauszuholen. Das Schild "off limits" wurde an den Gebäuden angebracht.

Das Schulhaus mit Lehrerwohnung wurde ebenfalls bezogen. Frau Maier, die Witwe des gefallenen Lehrers, war schon Wochen vor den Kampfhandlungen in ihre Heimat Veinau ausgezogen. Vermutlich ließ sie die SA-Uniform ihres Mannes im Kleiderschrank hängen. Wie bei jeder Hausdurchsuchung, bei der entsprechende Kleidungsstücke gefunden wurden, war großes Durcheinander angesagt. Die Amerikaner stopften die Uniform aus und hängten sie an den Gartenzaun. Darauf machten sie dann einen ganzen Nachmittag lang Schießübungen.

Die Fahnen des Liederkranzes und des Kriegervereins, die im Fahnenschrank im Schulsaal untergebracht waren, sind seither verschwunden.

Der Kriegslärm hatte sich verzogen. Aber der Nachschub der Amerikaner lief bei Tag und bei Nacht. Über Braunsbach kamen die Kolonnen angefahren. Trotz der Tatsache, daß das Orlachbach-Brückle unten gesprengt war, hatten die Amerikaner mit Planierraupen den Berghang abgeschoben und eine Fahrbahn geschaffen. Man konnte nur staunen, was hier alles an Gerät und Mensch bewegt wurde, zum Gegensatz unserer deutschen, geschlagenen Einheiten.

Bald gab es auch Lockerungen durch die Besatzungsmacht. Man durfte wieder den Ort verlassen, nun bis 21.00 Uhr, schließlich mußte man ja auch wieder Feldarbeit verrichten. Hier sah man dann vollends das Ausmaß der Schäden in der Flur; Panzerspuren auf den Feldern, Granatlöcher, hauptsächlich im Gewand Espe, wo sich die Feldkämpfe zugetragen hatten. Schützenlöcher der Soldaten, manchmal noch mit Waffen und Panzerfäusten bestückt. Diese mußten dann von den Deutschen zu einem Sammelplatz gebracht werden.

So wurde den Obersteinachern dann auch ermöglicht, Windisch-Brachbach wieder in Augenschein zu nehmen. Trostlos, furchtbar - war jedermanns Aussage.

Jetzt mußten sofort die abgebrannten Ställe mit dem verbrannten Vieh ausgeräumt werden. Viele Wagen waren verbrannt. Nachbarschaftshilfe war angesagt. Der Geruch des verbrannten und angesengten Viehs wurde immer stärker. Es gab keine Frontlader und keine Bagger, auch keine Schlepper und Kipper. Schaufel und Bickel und eisenbereifte Mistwagen waren die Arbeitsgeräte. So wurde nun Stall für Stall ausgeräumt. Der Brandschutt wurde zu den Bombenlöchern am Ortsrand gebracht. Alle mußten mithelfen!

Das Sägewerk Dunz in Dünsbach hatte sämtliche Brettervorräte für Dachreparaturen zur Verfügung zu stellen. Es gab ja überhaupt keine Ziegel für die nötigsten Dachreparaturen. Auch mußten Notställe errichtet werden, um das Vieh unterzubringen.

In den Amtlichen Mitteilungen für den Kreis Schwäbisch Hall vom 2. Mai 1945, 6 Tage vor der Kapitulation, gibt der Landrat Notstandsmaßnahmen bekannt:

"Zur Zeit ist nur in 2 Gemeinden eine einigermaßen vollständige Stromversorgung vorhanden. Post und Fernsprecher sind derzeit nicht benützbar.

Handwerker sind nur in geringer Zahl und meist nur im vorgeschrittenen Alter vorhanden.

Bei den Baumaterialien fehlen vollständig Ziegel, Backsteine, Zement, Kalk, Eisenbeschläge aller Art und Drahtstifte.

Auf schnellstem Wege müssen in Windisch-Brachbach, Niedersteinach und Obersteinach Notställe und Notunterkünfte hergestellt werden. Aufgabe der Nachbarschaftshilfe von Anwesen zu Anwesen und von Gemeinde zu Gemeinde ist, obdachlos gewordene Familien und die zuziehenden Arbeitskräfte angemessen unterzubringen. Das gleiche gilt für die Unterbringung von Vieh, für die Aushilfe mit Futtervorräten, mit Fahrzeugen, Spanngeschirr und landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten aller Art. Auch die zusätzliche Unterbringung von Erntevorräten in unbeschädigten Anwesen wird sich zu einem gewissen Teil ermöglichen lassen.

Schon jetzt muß mit allen Mitteln darauf hingewiesen werden, daß kein Erzeugnis der kommenden Ernte durch unzulängliche Lagerung verdirbt.

Die Stromversorgung wird so rasch als möglich in Gang gebracht werden. Zunächst werden die Molkereien und Sägewerke mit Strom versorgt werden."

Das Leben mußte weitergehen.

 

Neben diesen Existenzsorgen belasteten uns ganz besonders die Sorgen um die vermißten und in Gefangenschaft geratenen Soldaten unserer Familien.

Im Sommer treffen einzelne aus der Gefangenschaft entlassene Soldaten dann ein. Viele Heimkehrer machen oft einen kurzen Halt hier, werden verpflegt, bis sie sich zum Weitermarsch in Richtung Heimat begeben.

Wer keine Entlassungspapiere besitzt, wird von der amerikanischen Militärpolizei gleich wieder festgenommen und ins Kriegsgefangenenlager eingeliefert.

Bei vielen sogenannten "Razzien" durch die amerikanischen Soldaten, wurden auch unsere schon Zuhause weilenden ehemaligen Soldaten betroffen. So auch unser Friseur, Alfred Fischer.  Fritz Rummler jun. wurde auch geschnappt. Er fand seinen Entlassungschein im Moment nicht. Er war schon zum Abtransport bereitgestellt, als ihm plötzlich einfiel, daß er seinen Schein sicher im Nähkästchen bei Muttern aufgehoben hatte. Unter strengster Bewachung durfte er Zuhause  dann sein "Dokument" vorweisen.

Viele Einbruchsdiebstähle, meist von den in Hall und Steinbach untergebrachten ehemaligen polnischen Landarbeitern verübt, brachten unsere Bewohner in große Sorgen und Aufregungen. So wurden z.B. bei Bauers und Steppers in Niedersteinach die ganzen Essensvorräte mitgenommen. Bei Breyers (jetzt Erwin Rummler), wo nur noch der Keller nach dem Brand benutzbar war, wurde aus diesem alles Eßbare gestohlen. - Hilflos mußte man dieses Treiben hinnehmen!

In der Ortschronik 1946/47 schreibt Fritz Klein, damaliger Angestellter auf dem Obersteinacher Rathaus: "Die große Sorge um die Kriegsgefangenen und Vermißten hält auch weiterhin an. Laut einer statistischen Erhebung im Sommer 1947 befanden sich damals noch 7 Gemeindeglieder in Gefangenschaft und 7 werden noch vermißt. Nur Einzelnen wurde das große Glück der Entlassung zuteil und das ganze Volk ist empört über das Verhalten der Siegerstaaten, welche dauernd von Humanismus reden und eine Liga für Menschenrechte gründen.

Wiederholt werden Bittgottesdienste für die Gefangenen und vermißten abgehalten und täglich falten viele Frauen und Männer und Kinder die Hände zu Gebeten für ihre Lieben."

 

Ich möchte hier einige Sätze eines Briefes zitieren, den ein Obersteinacher, er lebt schon einige Jahre nicht mehr, aus französischer Gefangenschaft an seine Angehörigen im März 1947 schrieb:

"Ihr werdet auch durch das Radio gehört haben, daß jeden Monat 20.000 entlassen werden. Wie lange das dauert, bis die letzten Zuhause sein werden, könnt ihr ausrechnen. Wenn ich Pech habe, dann darf ich Euch leider noch lange nicht sehen. Die Stimmung ist wieder sehr schlecht. Ach wie hart ist doch das Leben." - "Kann manche Nächte nicht schlafen, vor lauter Sorgen um Euch. Wie hart Gefangenschaft ist, könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen."

Wie ich schon vorhin erwähnt habe, wartete die ehemalige Gemeinde Obersteinach noch auf 14 Vermißte und sich im Gefangenenlager befindliche Mitbürger.

Ich darf einige davon nennen:

      • · Karl Breyer Obersteinach Okt 1946 von russ. Gefangenschaft heimgekehrt
  • · Erwin Rummler Obersteinach Aug. 1947  schwer krank aus jugoslaw.
  • Gefangenschaft und
  • Krankenhausaufenthalt
  • heimgekehrt
      • · Karl Grüb Obersteinach Juli 1948 von russ. Gefangenschaftheimgekehrt
      • · Albert Ade Obersteinach Juli 1948 von franz. Gefangenschaftheimgekehrt
  • · Erwin Schust Obersteinach 1947 von franz. Gefangenschaft
  • heimgekehrt
  • · Otto Horlacher Obersteinach 1948 kurz vor Weihnachten
  • aus jugosl. Gefangenschaft
  • · Ernst Karle Altenberg Aug. 1947 aus russ. Gefangen-
  • schaft
  • · Karl Gagstatter Windisch-Brachbach 1948 im März aus engl./amerik.
  • Gefangenschaft
  • · Erich Rößler Windisch-Brachbach 1949 im September, aus russ.
  • Kriegsgefangenschaft
  • Erich Rößler war sozusagen der letzte Spätheimkehrer unserer Gemeinde. Alle anderen  Vermißten sind gefallen oder in der Gefangenschaft umgekommen.

Ich möchte nochmals Fritz Klein zitieren:

"Die Jahre 1946/1947 brachten der Gemeinde erneuten Anstieg der Bevölkerungsziffern durch den Zustrom weiterer Flüchtlinge. Vorwiegend handelt es sich hierbei um ausgewiesene und geflüchtete Volksdeutsche aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien usw.. Man sieht ein großes Problem am Horizont aufsteigen, dessen Ausmaße und Auswirkungen noch nicht abzusehen sind. Die Wohnungsnot in der Gemeinde wächst von Tag zu Tag und dem Bürgermeisteramt entstehen oft fast unlösbare Aufgaben. Neue Maßnahmen, wie Errichtung eines Wohnungsamtes usw. sind erforderlich geworden. Der große Mangel an Nahrungsmitteln wie auch an allen sonstigen Bedarfsgütern, wird durch die große Zahl der Flüchtlinge (Neubürger) noch erheblicher. Die durch den Krieg nach hier evakuierten Menschen sind zum größten Teil in ihre Heimat zurückgeführt worden. Zur Zeit befinden sich etwa 170 Flüchtlinge und 25 Evakuierte in der Gemeinde."

Dieser oben genannte, große Mangel an Bedarfsgütern, insbesondere auch der Mangel an Lebensmitteln, ist die größte der leider so vielen unangenehmen Nachkriegserscheinungen. Die wenigen vorhandenen Waren werden bewirtschaftet und zwar nach ganz bestimmten Verfahren wie Bezugsschein, Punkte, Marken, Einkaufsscheine usw.. Für das Bürgermeisteramt sind auf diesem Gebiet unheimliche Aufgaben entstanden. So lagen z.B. am Ende des Jahres 1947 ca. 200 Anträge auf Erteilung eines Schuhbezugsscheines auf dem Bürgermeisteramt vor, wobei ein Monatskontingent 10 - 20 Paar Schuhe betrug und im Sommer 1947 vier Monate lang überhaupt keine Zuteilungen erfolgten.

Die Versorgung der Großstädte mit Heizmaterial veranlaßte die Militärregierung in Zusammenarbeit mit der Württ. Forstdirektion Stuttgart, durch einen Erlaß vom 22.08.46,  eine Umlage für Brennholz anzuordnen. Die hiesige Gemeinde hat aus Privatwald 40 rm und aus dem Gemeindewald 15 rm bis 31.10.46 aufzubringen. Für die Aufbereitung von 250 rm Brennholz in den fürstlichen Wäldern

 (Langenburg) sind aus der Gemeinde Obersteinach 42 Mann am 18.09.46 bereitzustellen. Der zustehende Holzhauerlohn in Höhe von 1.794,12 RM wurde dann mit Zustimmung aller Beteiligten für die Kosten des Einebnens der Bombenlöcher in Brachbach, mit einer Raupe durch die Fa. Härer, verwendet.

Wohnhäuser werden notdürftig wieder fertiggestellt, 9 Scheunen und Ställe wieder errichtet und 2 Scheunen im Rohbau erstellt.

Im März 1946 wurde von deutscher Seite im Einvernehmen mit der amerikanischen Militärregierung das Gesetz Nr. 104, zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus erlassen. Zur Durchführung des Gesetzes mußten alle Personen über 18 Jahren eine Fragebogen ausfüllen, der Angaben über die Zugehörigkeit der NSDAP, deren Gliederung und sonstige Organisationen, sowie über Ausübung irgendwelcher Funktionen verlangte.

 

Diese Meldebogen wurden von den eigens ins Leben gerufenen Spruchkammern bearbeitet. Da eine stärkere politische Tätigkeit in der Gemeinde Obersteinach während des Dritten Reiches nicht zu verzeichnen war, sind von dem Gesetz in der Gemeinde verhältnismäßig wenige Personen betroffen. Die Entnazifizierung soll im Laufe des Jahres  1948 abgeschlossen werden.

 

  Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich meine mit dieser Feststellung sollte auch der weitgespannte Bogen meiner Ausführungen und Erinnerungen über die damalige, schwere Zeit geschlossen werden.

 

Es gäbe hier noch über viele Vorkommnisse zu berichten, aber ich denke, daß sich doch vielleicht eine rege Diskussion anschließen wird,  in der andere Zeitzeugen und ich gerne zu weiteren Ausführungen bereit sind.

 

 

Ich wünsche uns Allen und ganz besonders unserer nachfolgenden Generation, daß solch schreckliche Ereignisse nicht mehr geschehen. Wir alle wünschen uns eine von Frieden erfüllte Zukunft.

Aber wahrscheinlich bleibt dies ein Wunschtraum, wenn selbst Europäer keine Vernunft walten lassen.

 

 

 

Vielen Dank.

 

 

Walter StepperApril 1995

Namensnennung unserer Gefallenen anlässlich der Gedenkfeiern an den Volkstrauertagen:

 

Aus Obersteinach:

Erwin Auerhammer

Eugen Fischer

Willi Fischer

Pfarrer Gerhard Fritz

Emil Holch

Karl Krebs

Erwin Kiefner

Heinz Kiefner

Friedrich Kaufmann

Lehrer Albert Maier

Albert Obermüller

Karl Schroth

Otto Strecker

Adolf Vierling

Friedrich Wiedmann

 

Aus Windisch-Brachbach:

Hermann Breyer

Willi Breyer

Friedrich Breyer

Friedrich Köhnlein

Walter Köhnlein

Karl Ott

Friedrich Rössler jun.

Karl Rothenburger

Erwin Schuhmacher

Friedrich Schuhmacher

 

Aus Altenberg:

Walter Lober

Willi Müller

Hans Strecker

 

Aus Niedersteinach:

Friedrich Ohr

 

Aus Söllbot:

Richard Ley

Erwin Stapf

 

 

Bei den Kampfhandlungen in der Heimat:

 

Georg Ungerer, Altenberg

Lore Ziegler, Altenberg

Friedrich Rössler,sen., Windisch- Brachbach

 

Wiedergabe eines Vortrags, der am 22. April 1995 im  Obersteinacher Gemeindehaus stattfand