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Schulordnung

Die Schulordnung in Haßfelden hält sich 12 Observatores, unter denen die erste betrifft:

    • Die Zeit, wie lang der Schulmeister Schulhalten und die Schuler solche besuchen sollen?
  • Nämlich vier Monate lang vom 1. November an bis an den 
  • 1. Martus, also 20 Wochen den ganzen Winter durch.
    • Die andere belangt die Schuler, welche von Knaben und Mägdlein dieselbe besuchen sollen?
    • Nämlich diese, so 6, 7, 8, 9, 10, 11,12 Jahr alt sein, sollen 20 Wochen, so lang man die Schul hält, dreingehen, bis sie erlernen, was sie können sollen. Diejenigen Knaben und Mägdlein aber, so schon zum H. Abendmahl gangen, über 12 Jahr sein, können ihren Catechismus, Sprüch, Psalmen, Haußtafel, Gebott, Lesen und Singen – die mögen wohl ihren Eltern vor helfen außdreschen und andere nothwendige Haußgeschäfte verrichten – danach lernen und sollen sie auch noch zween Monde dieselbe besuchen, was sie gelernt repetiren.
    • III. ist die Stund, vor- und nachmittags in welcher man in der Schul sein soll: Nämlich am Vormittag, als von 8 biss 10. Und damit ie die Stund eigentlich wissen, soll der Schulmeister deswegen ein Zeichen mit der kleinen Glocke geben, ¼ Stund vorher, daß sie’s hören und auf den Weg machen, sonderlich die so in dem Flecken und Weiler wohnen. Nachmittag aber läutet man die Betglocken umb 12 Uhr und bedarf’s keines ander Zeichengebens und da sollen sie 3 Stund in der Schul sein, von 12 biß 3 Uhr.
    • Die IV. Observation ist die Form und Weis Schulen halten alle Tag.
    • Vormittag: Da soll der Schulmeister mit seinen Schulern, so lesen können, singen ein Morgengesang, als da ist: 1. Aus meines Herzens Grunde, 2. Ich dank dir lieber Herre, 3. Ich dank dir schon, durch deinen Sohn. Zu dem Ende und Zwecke, daß die Schuler fein nach und nach solchen, solang Schul gehalten wird, außwendig können singen und sich Gott befehlen. Denn es ist löblich, wenn ein Bauer oder Knecht hinter dem Pflug ein schön Gesang singet und ein Tochter oder Magd in Küche oder Stall.
    • Zum 2. soll er die Schuler heißen auf die Bank knien, Augen und Händ lassen auch erheben und mit ihnen beten: Morgensegen, Vaterunser, Glauben und das „O treuer Gott und Vater mein“ Zum 3. sollen sie ¼ Stund stillsitzen, ihre Lection lernen und danach ordentlich nacheinander aufsagen; wo der Schuler viel, soll der Schulmeister die Knaben und die Schulmeisterin die Mägdlein verhören, auf daß das Aufsagen in einer halben Stund verrichtet werde.
    • Item ist auch das zu merken beym Aufsagen, wann eines ungelehrig ist oder eine Lection nicht kann, ihm solche wieder aufgeben und doch das ABC-Büchlein erstlich lassen schleunig durchgehen und mit andern, so ihre Lection wohl können, lassen umschlagen, zuletzt aber, welches das erste Mal nicht recht durchgelernet, wieder lassen vornen anfangen und noch einmal durchlernen, biß  sie solches recht können. Darnach können sie andern Büchlein desto besser fortkommen.
    • Zum 4. wann alle aufgesagt, soll der Schulmeister ihnen fürsprechen, in einem jeden Tag, morgens nach dem ersten Aufsagen, 2 Stück des Catechismus, 1 Bußpsalmen und 3 Sprüch. So bringen sie in einer Wochen hindurch den Catechismus zweymal. Die Bußpsalmen einmal, die Sprüch in einem Monat alle. Also denen, so lesen können, solche außwendig zu lernen aufgeben, von ihnen außwendig herzusagen fordern, so lernen sie’s innerhalb 20 Wochen mit Gottes Hülf.
    • Zum 5. wann dies geschehen, in einer ½ Stund, sollen sie stillschweigend ein ¼ Stund ihre Lection lernen, dann wie oben gemelt nacheinander aufsagen.
    • Zum 6. soll zum Beschluß wieder  mit ihnen ein kurzes Gesänglein singen,als da ist: „Erhalt uns Herr  bei deinem Wort“ oder“O Vater aller Frommen“ oder „Den edlen Fried erhalt uns Herr“ oder „Verleih uns Frieden gnädiglich“ oder “O Gott, du höchster Gnadenhort“ und dergleichen mehr. So lernen sie solche auch außwendig singen. Und dann wieder mit ihnen beten, die Tischgebet vorm Essen und das Gebet um Erhaltung des Wortes Gottes und der reinen Religion im Catechismus. Und je bißweilen eines ein Gebetlein allein hersagen lassen, damit er sichtet, ob sie auch lernen. Und also wäre die Schul Vormittag verricht.
    • Die V. Observation betrifft die Form und Weis Nachmittag die Schul zu halten. Die besteht:
    • Aus dem Gebet, als auch das Friedensgebet und auch um wohlgeratene … Früchte und die Tischgebet nachm Essen. Diese lernen sie also auch durch die Gewohnheit nach und nach außwendig.
    • Aus dem Stillsitzen und Lectionlernen eine ½ Stund. Da wär schon zubracht mit dem Gebet eine ½ Stund.
    • Aus dem Aufsagen eine ½ Stund.
    • Aus dem Vorsagen der Haußtafel mit den Sterbegebetlein im Catechismus. Da er ihnen in allen Nachmittagsstunden 2. und wo sie kurz 3. Lectionen soll vorsprechen und denen so lesen können zu lernen aufgeben, von ihnen außwendig herzusagen erfordern und wie 3 der 2 Gebetlein, so bringt er’s mit ihnen in einer Woche zweimal hinauß.
    • Aus dem Schriftaufweisen und Corrigierung derselbigen, wie er aber einen jeden, so schreiben lernen will, schreiben soll lernen, steht in einer besonderen Observation.
    • Aus dem Singen, wie er’s soll halten, daß das Psalmbuch ordentlich auch gesungen werde, solang die Schul währt, wird in einer besonderen Observation gemeldet.
    • Aus dem Gebet. Da er ihnen vorbeten soll den Abendschein, den Abendsegen. Vaterunser, Glauben und noch ein schön Gebet darzu und also die Schul für Nachmittag beschließen.
    • Die VI. Observation betrifft absonderlich den Freitag, daß daran morgens wann sie muß der Schul gehen, der Schulmeister mit ihnen beten soll gratiare actione für das Leiden Christi, wie’s in der Kirchenordnung stehet, sambt dem Lamm Gottes, gesungen oder gebetet und mit dem Vaterunser beschließen. Geht man aber am Freitag in die Kirch um 10 Uhr, soll das letzere Aufsagen eingestellt sein und die großen Schuler, so lesen und singen können mit in die Kirche gehen, die kleineren aber wegen der Kält zu Hauß verbleiben.
    • Die VII. Observation betrifft absonderlich den Samstagvormittag, daß die Leser anstatt ihrer ordinari Lection lesen sollen: Zum ersten Mal das Evangelium, zum andern die Epistel. Und wann sie solches alles aufgesagt, ihnen ein wenig solches erklären, auch befehlen in die Predigt im Sonntag oder Feyertag zu kommen, auf dieselbe Achtung zu geben, etwas daraus zu behalten, und am Montag aus der Predigt sie fragen; wann sie’s nicht können oder wissen darumb bestrafen. Also lernen sie auch von Jugend auf die Predigt in Acht nehmen. Und soll die hohen Festsprüch ihnen über die Feiertag aufgeben zu lernen.
    • Die VIII. Observation betrifft die Bücher, so sie haben einen Teil durchlesen und lernen sollen. Dann nach dem ABC-Büchlein sollen sie zum 1. durchlesen den Catechismus, daß ihnen dieser desto besser bekannt werde, 2. das Evangelienbuch oder Sprüchbüchlein, das Neue Testament. Daneben sollen sie auch haben ihr Gesangbuch und den Psalter Davids. Und wann etzliche in Briefen begehren lesen zu lernen, mögen sie solches neben dem Testament lesen anfangen.
    • Die IX. Observation betrifft das Singen alle Nachmittag, daß in einer Woche mit ihnen singen: 1. Die Catechismusgesäng, deren sechs seind und in einer Wochen hinauß können gesungen werden. 2. Die hohen Festgesäng. Als ein Advent, Weynacht, Ostern, Auffahrt Christi und Pfingsten, H. Dreieinigkeit.3. Die Psalmen Davids, so der Schulmeister kann, als den 1. 12.13. 14. 15. 23. 31. 37. 42. 46. 51. 657. 91.103.110. 124. 125. 127. 128. 130. 133. 137. Diese Psalmen können in einem Monat, alle Wochen 5, gesungen und also erlernet werden. 4. Die Buß-, Lehr-, Trost-, Bitt- und Lobgesäng, deren seind der Ordnung nach 16 und können in drey Wochen auch gesungen werden. 5. Hochzeitsgesäng, als da ist: Wie schön leucht uns der Morgenstern, Nun freut euch liebe Christen gmein, Wohl dem der in Gottforchten steht, Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst, können auch in einer Wochen gesungen werden. 6. Die Sterbgesäng, derer sind 10, so der Schulmeister kann, die können auch in 14 Tag durchgesungen werden. Und also, so lang die Schul währt, die Gesänge alle, so man in der Kirchen singt, gesungen werden.
    • Die X. Observation betrifft in sich das Schreibenlernen. Da soll der Schulmeister denen, so Schreiben wollen lernen zeigen:
    • Wie sie die Feder halten, wie sie den Arm sollen legen und das Papier, mit ihren Fingern die Feder sollen richtig auf- und abziehen, daran zum ersten am meisten getan.
    • Wie er ihnen die Buchstaben zuerst soll fürschreiben, die voneinander springen und herkommen und sie einen und denselben recht lernen machen, können sie die andere gar leicht nachmachen, wie das nachfolgende Blatt weiß: Als erstes das o, a, g, q; einen jeden Buchstaben auf ein Zeilen und wer das o recht lernet ziehen und machen, dem seind die andern 3 leicht zu lernen.
    • Wann sie also diese Buchstaben ordentlich setzen und machen können, soll er sie lehren durch das am, bm, cm etc. die Buchstaben aneinanderhängen, ein Fürschrift geben und in der Fürschrift oben ansetzen nachzuschreiben, das ABC ganz innerhalb drei Zeilen, zum 2. das am, bm, cm etc. Jetzt ein kleines Sprüchlein, daß sie lernen ein Wort schreiben. Das erste Wort, so er ihnen fürschreibt, soll anfangen von großen Buchstaben A, das andere von B, damit sie auch daneben lernen die großen Buchstaben vorsetzen.
    • Wann sie einen Spruch und ihren Namen untendran fein schreiben können, so ihnen eine Quartfürschrift geben, auf solche, etwan einen Psalmen etc. fürschreiben oder auß den Büchern ohne Fürschrift etwas außschreiben lassen.
    • Wann sie dieses auch erlernet, soll er sie zum Außwendigschreiben ohne Fürschrift und Buch gewöhnen, ihnen etwas nachzuschreiben fürsagen, wo sie gefehlet corrigirn, daran am meisten gelegen.
    • Soll der Schulmeister einem schreibenden Schuler auch fein weisen die Commata, die Punkten zu setzen und eine Rede zu unterscheiden, und man wisse daraus zu kommen. Auf solche Weis werden die Knaben im Schreiben innerhalb 20 Wochen unterrichtet, so viel ihnen zu wissen vonnöten, und was sie in einem Winter nicht erlernen, kann der andere Winter vollend geschehen.
    • Die XI. Observation hält sich an das Ziffer, damit sie dasselbige auch erlernen und einen Gesang aufsuchen, auch sonsten ihren Nutzen machen mögen. Soll der Schulmeister ihnen solches mit einer Kreiden auf die Tafel schreiben und etwa zum I. die kleine Ziffer, wie sie im Gesangbüchlein stehen und ihren Unterschied zeigen: 1. die einfache Zahl, zum Exempel 1, 2, 3, 4, 5 etc. und sie danach pro loci fragen, wie viel diese oder jene Zahl gelte und sie solche in ihr Schriften setzen lassen, daß sie es lernen unterschiedlich schreiben. 2. die doppelte als 10, 20, 30 etc. 3. die dreifache als 100, 200, 300 etc. 4. die vierfache als 1000, 2000, 3000 etc. und dieses also getrieben 20 Wochen, in einer jeden nur 1 Zahl, so werden sie gewiß das Ziffer wohl lernen lesen und schreiben. Also sollen sie pro II. auch die große Zahl lernen, als ihnen fürschreiben und raten heißen, was diese Zahl bedeut: I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII etc. Item was dies L, C, D, M etc. bedeute und wann ein X vor- oder nachgesetzt ist. Wie solche beede Zahlen zu End des Namensbüchleins steht, das ein Schulmeister kann für sich nehmen.
    • Die XII. und letzte Observation hat in sich den Kalender, darin soll ein Schulmeister die großen Schuler anstett einer Lection sie unterrichten und aufsagen lassen, auf diese Weis: 1. Was die Ziffern bedeuten eines jeden Monats, 2. welches Zeichen der Sonntag und Feyertag bedeute, 3. sie erkennen lernen die 12 himmlische Zeichen, 4. welches bedeute den Neumond und Vollmond, das erste und letzte Viertel, gut schröpfen, aderlassen, arzneien, gut säen und pflanzen, so werden sie solches in einer Monatsfrist begreifen und darin zu wissen schicken. Und wär also die Schulordnung in XII Punkten bestehend. Kommt ein Schulmeister dem nach, wird er gewiß viel Nutzen schaffen.
  • Folget im Appendix wegen der Schulmeister.
  • Soll ein Schulmeister dieses also die Schuler lehren, ist vonnöten, daß er’s vor selbst recht gelernet habe und könne, weil es heißt: Lerne vor selbst, ehe du andere lehrest. Da soll nun ein Schulmeister können dies nachfolgende:
  • Zum ersten wohl buchstabieren und die Sylben zu unterscheyden, nicht nur inwendig im Buch, sondern auch im Sinn, außwendig. Dient es nicht nur zum Wohllesen, wann man die Consonantes und Vocales fein weiß zu Sylben zu machen und die Sylben zum Wort, sondern auch ist es sehr nützlich zum Schreiben, wannn man ein Schreiben auß seinem Gehirn will aufsetzen, da kann man jedes Wort im Sinn geschwind buchstabieren und recht setzen, sondern auch wohl abbrechen, am Ende einer Zeile. Das wissen und können ihrer viele nicht, also auch mein voriger und nun zu Orlach, und der hießige sein Sohn nicht – welchen ich es zwar lehren will, weil er noch jung. Wie sollen sie nun  die Schuler sie’s lehren, so sie’s selbst nicht können. Und können also viel Schuler lesen aber dahero kein Wort recht buchstabieren und die Sylben unterscheiden.
  • Zum andern, eine Buchstaben recht zu formieren und wissen zu ziehen fein auf oder hinab und recht aneinanderhängen. Das fehlt manchem auch, daß wann sie einen Buchstaben sollen oben herabziehen, ziehen sie ihn von unten hinauf und also können es die Schuler auch nicht recht lernen.
  • Drittens, wohl zu distinguieren, sowohl im Schreiben, als im Lesen, mit den Commata und Punktis, und nach denselben die Red und Wort zu formieren. Das nehmen ihrer viel nicht in acht, gewöhnen die Schuler nicht darzu, darumb sie auch nicht unterschiedlich reden, singen und beten.
  • Für das 4. Die Notes zu servieren und den Tact recht zu führen im Singen. Denn wo sie geschwind singen sollen und ein Tripel ist, da singen sie’s langsam, für gantze Noten, wo sie sollten mitten oder hinten oder vorne aushalten eine gantze Note, fahren sie geschwind darüber hin und halten nicht aus, wann man’s ihnen untersagt, zürnen sie und sagen, sie haben es da und da so gemacht, es sey demselbigen Pfarrer so recht gewesen, müß es da auch recht seyn, wollen sich nicht unterweisen  lassen, sonderlich wo sie einen starken Rückenheber wissen.
  • Zum 5. Daß sie sich auf ein Gesang verstehen, ob es hoch oder nieder gehet, ob man’s hoch oder unten anfangen soll, da fallen sie wie die Cuntz in die Nuß, ertappen sie’s so haben sie’s und gibt manches Katzengeschrey, daß man wohl sagen könnte und sollt: Pfui Teufel, wie’s laut’s, lasst uns beten, wie jene gesagt.
  • 6. Das sich uff’s Ziffer und Kalender auch verstehen. Derowegen, so man Schulmeister wollt annehmen, sollten sie in diesen Stücken examiniert werden und solche auserlesen so dieses obsagte können, oder so sie’s nicht also können, versprechen solches noch zu lernen und solcher Schulordnung nachzukommen.Auch solchen ein wenig besser Besoldung mitzuteilen, so würden die Schulen auf dem Land besser bestellt sein und viel mehr Frucht und Nutzen in Kirchen und Schulen geschafft werden.
  • Und solche Schulordnung für mich aufgeschrieben und übergib aus schuldiger Unterthänigkeit Meiner Hochgeehrten Obrigkeit in ihr Bedenken, ob es so recht.
    • Aus COD. HIST Folio 602  Württemb. Landesbibliothek