nach unten
nach links nach oben nach rechts

Fotosammlung

Openairbilder

Kochbuch von 1877

Energie von hier

BuiltWithNOF
Emma Heinold
                • Pfingstfest, 20.5.45
  • Ein kleiner Bericht vom 6. Kriegsjahr aus unserer Heimat

Bis jetzt lebten und arbeiteten wir immer friedlich beisammen.

Ende Februar kamen O.T. Männer (Organisation Todd) ins Dorf. Die Arbeit wurde sofort begonnen.

Ende März wurde die Arbeit im Steinbruch schon wieder eingestellt, die Leute sollten dringendere Arbeiten machen. Doch die 0.T. Männer durften noch einige Tage in Haßfelden zubringen.

Schon Anfang April war herrlich warmes Wetter. Im Wald und Fluren blühte es schon prächtig, mit säen waren wir schon fertig.

Am 4. April konnte Martha schon Salat pikieren, kam zufällig zu ihr, als Sie bei der Arbeit war. Doch ehe es Abend wurde, kehrten auch schon die ersten deutschen Soldaten in unser Dörfchen ein. Zwei dieser Männer konnten bei uns ein Nachtquartier haben. Am anderen Mittag ging ihr Marsch weiter Richtung Künzelsau. Am selben Tag haben wir zwei Volkssturmmänner ins Quartier bekommen, sie waren von Althausen bei Mergentheim, diese konnten uns schon allerlei erzählen. Von den Amerikanern die schon Ihr Dörfchen eingenommen hatten, aber sich dann wieder zurückdrängten.

Am anderen Morgen, 6. April mussten auch diese wieder weg nach Gmünd. Am Abend dieses Tages mussten wir schon wieder einem Volksturmmann die Türe öffnen. Er war von Löffelstelzen bei Mergentheim. Es machte sich nun schon überall bemerkbar, dass der Feind mit Riesenschritten näher kommt. Am 6. April, nachts um 11 Uhr kam auch zu uns die Botschaft, dass Vater am anderen Morgen, 7. April um 6 Uhr fort muss. Glücklicherweise ist nur der Haßfelder Volksturm in Wolpertshausen eingetroffen. Sie wurden dann wieder entlassen bis 11 Uhr und nochmals waren Sie vergebens ausgerückt, nun wurde der Abmarsch für abends 6 Uhr bestimmt, aber ohne Kompanieführer. Schon am Nachmittag hörten wir die Kugeln des heranrückenden Feindes immer deutlicher pfeifen. Gegen 5 Uhr abends stiegen schon dicke Rauchwolken aus Rudelsdorf zum Himmel empor. Unzählige Panzer näherten sich Wolpertshausen. Auch hier hat es nach kurzer Zeit schon gebrannt.- Nun hatte der Volksturm gute Ruh. Der folgende Sonntag, 8. April, der Konfirmations-Sonntag verlief ziemlich ruhig, oder unruhig - wie man es nehmen will. Doch es ist vor Abend anders geworden. Schon so etwa um 3.00 Uhr mittags hat der Feind auch unser Dörflein in Brand geschossen. Es sind folgende Gebäude abgebrannt:

Zuerst Streckers Scheune, dann Breyers obere Scheune samt dem Haus. Dann die Scheune von Breyer, Noz, Gehring, Arnold

Ziegler, Hanselmann, Kellermann und Lörcher. Das Pfarrhaus konnte noch gelöscht werden, unser und Ditscher’s Haus konnten noch rechtzeitig gelöscht werden. Am Dachboden hat es schon gebrannt. Wir hatten das Vieh und die Pferde in den Garten. Karl Vogel kam die Straße herauf - der sah es zuerst. Vater ging gleich mit Wasser nach oben und konnte es noch löschen. Nach einigen Tagen wurde auch noch unsere Feldscheune von den Amerikanern angezündet - vermutete den Wehrwolf.

Wie dann bald die Nacht herannahte, haben so viele Haßfelder die Angst bekommen. Haben Haus und Hof verlassen und eilten dem nahen Walde zu. Nachts um 12.00 Uhr sind auch wir mit dem Leiterwagen in den Wald. Breuninger sind auch nachgefahren. Am alten Schloß machten wir halt. Dort blieben wir einen Tag, dann sind wir wieder nach Hause. Am 9. April haben auch Baltles ihren Stall ausräumen müssen, doch der Brand konnte rechtzeitig bemerkt werden. Um 3.00 Uhr mittags rollten auch schon die amerikanischen Panzer durch Haßfelden. Verließen aber nach einer Stunde den Ort.

In der gleichen Nacht marschierten schon wieder viele deutsche Soldaten auf unseren Straßen.

Vom 10.-l7. April ging es immer hin und her von deutschem Militär. Von dort an haben wir die meiste Zeit im Keller geschlafen. Aus den Kleidern sind wir überhaupt nicht mehr gekommen.

Am 13. April bekamen wir deutsche Soldatenauto, die ganze Scheune stand voll.

Am 14. April haben wir Kartoffel gesteckt draußen bei Streckers. Erst war es ruhig, bald pfiffen die Kugeln. Wir gingen dann nach Hause.

Am 15. April konnte man sich nicht oben halten, da pfiffen die Kugeln die ganze Nacht über uns weg. Da war gar keine Ruhe. Auch die Soldaten flüchteten sich in den Keller. Bei Einbruch der Dunkelheit haben auch die Soldaten den Befehl erhalten zum Abfahren.

Am 17. April kamen nur noch vereinzelte, hungrige Soldaten in die Häuser. Abends um 8 Uhr haben die letzten deutschen Soldaten im Laufschritt Marsch-Marsch das Dorf verlassen und schon kamen die ersten Amerikaner  hinten drein. An den folgenden Tagen hatten wir dann immer amerikanische Einquartierung, konnten jedoch im Haus bleiben. Am 19. April, abends gegen 4 Uhr mussten wir innerhalb 15 Minuten das Haus verlassen. Da durften wir gar nicht mehr ins Haus. Mussten in der Scheune und im Keller bleiben. Webers sind auch zu uns heruntergekommen. Haben immer kalt gegessen. Frau Strecker hat uns zweimal Kaffee gebracht. Bei Frau Schüssler habe ich einmal 8 Eier gekocht. Die durften im Haus bleiben.

Am Sonntag, 22. April durften wir wieder ins Haus. Da waren die Häuser wieder leer. Später sollte nochmals Einquartierung kommen, aber nur bis zu Ditschers. Die Leute schafften Ihr Hab und Gut in andere Häuser.

Zu uns kamen Breyers und Schüsslers Katha. Und alles war umsonst, es war auch so recht.

Wie schnell und wohin mussten sich unsere Soldaten zurückziehen?

Wir haben nichts mehr erfahren. Wir lebten nun so in den Tag hinein.

Waffenruhe sollte am Freitag, 4. Mai eingetreten sein. Das Räubern und Plündern hat nun begonnen. Hauptsächlich bei den Ausländern.

Hoffen wir, dass auch dies bald ein Ende nehmen wird und unsere

Soldaten nun doch bald wieder in Ihre Heimat zurückkehren dürfen.

Im Glück nicht stolz sein, und im Leid nicht verzagen.

Das Unvermeidliche mit Würde tragen, das Rechte tun,

am Schönen sich erfreuen, das Leben lieben und den Tod nicht

scheuen und fest an Gott und bessere Zukunft glauben.

Heißt Leben, heißt dem Tod sein Bitteres rauben.

                • Emma Heinold