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Kochbuch von 1877

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Dorfordnung
        • Dorfordnung   Haßfelden    
  • neu   aufgestellt   am   30.5.1707

weil  "aus Mangel einer Dorfsordnung allerley Mißbrauch, Unordnung und Zwistigkeiten eingerißen und Oberhand genommen, daher solchen vorzukommen und abzuhelfen für notwendig erachtet, eine gewisse Ordnung verfassen zu lassen, nach welcher sich alle und jede Unterthanen zu richten und solchen achzugeloben haben".

4. Daß sie einen Hochedlen und Hochweißen Rath der Stadt Hall als ihre ordentlich von Gott gesetzten Obrigkeit, wie auch deren Verordneten Herrn Ambtmann jederzeit gebührend respektieren und in Ehren halten, denselben in Gebotten und Verbotten getreu willig und schuldigen Behorsamb leisten und alles dasjenige thun, was getreuen Unterthanen geziemet und anstehet.

5. und 6. :  Der jedesmalige Dorf- oder Bauernmeister soll, wenn es dazu eine Nothdurft gibt oder von ihm begehrt wird, zur Gemeind (Gemeindeversammlung) läuten und das darzu verordnete Viertelstunden glas aufsetzen. Welcher dann nicht bei der  Gemeind erscheint, ehe das Glas ablauft, der ist bußfällig um l Schilling. Es sei denn, daß ihn eine Leibesnot hinderte oder wann er nicht zu Hauß, sondern über Feld war. Dann hat sein Weib ihn beim Bauernmeister zu entschuldigen .

9. Soll Beyl und andere Waffen in der "Gemeind" zu tragen und darinnen Tabak zu schmauchen, bei 5 Schilling Straf verbotten seyn.

10. Bey der Gemeindsversammlung soll alles ordentlich und ehrbar
zugehen, kein Getümmel, unnötiges  Gestoße und Geschwätz.
Darzu gehört auch, fleißig aufzumerken und, wenn die Frag an einen
kommt, eine verständige und unparteiische Meinung zu geben, wie
ers vor Gott und der Welt zu verantworten getraut.

13. Straf hat auch derjenige zu erlegen, welcher das, was bei der Gemeind abgehandelt oder geurtheilt worden, seinem Weib oder Kindern oder auch anderen offenbart.

        • 15. Wer dem anderen vor der Gemeind an seinen Ehren und guten Namen mit Schäden und Schmähen angreift, ist bußfällig 15 Schilling und schuldig, dem Verletzten billigen Abtrag zu thun.
  • 28. : so soll auch bei ereignenden Wassergüßen und Regenwetter ein jeder Gemeinsmann das Wasser von dem Gemeindeweg ab- und in die daran anstoßenden Wiesen leiten und so fleißig nachgehen. Wo er aber fahrlässig befunden und mithin der Gemeindeweg dadurch ruiniert wurde, soll er Straf erlegen 10 Schilling.

29 / 30 : Was in der Gemeind erlöst wird oder von Strafen zusammenkommt, hat der Bauernmeister fleißig einzuziehen und uff Thomastag (21.12.) jährlich Rechnung zu tun. Von solchen Geldern sind in der Gemeind jährlich 2 Zechen zu thun vergönnt, nämlich eine uff Thomastag, die andere aber im Frühling wann zu den Steinen (?) gefahren wird. Doch daß sie keinesmal über 5 Gulden vertrinken, das übrige aber zur Erhaltung der Gemeindgebäude, als das Schul-und Hirtenhaus, der 2 Brunnen, der 3 Wetten und für Weg und Steg verwendet werden.

Wann aber der Bauernmeister über 5 Gulden vertrinken läßt, soll ers selber bezahlen.

31. : Wann ein Gemeinsmannans neu hereinzieht, soll er Einstand geben 1 Schilling. Ein Hausgenoß aber  gibt 30 Kreuzer. Wann einer über die Gaßen ziehet, soll er auch 30 Kr. erlegen.

32. So soll auch jeder neue Gemeindsmann und Hausgenoß, so herein ziehet, schuldig sein, 3 Bäum auf der Gemeind zu pflanzen , solche zu warten, zu hegen und zu pflegen bis sie erstarket, bei Straf von 6 Schilling.

35.: Niemand soll mit angezündeten Spähnen in Scheuern, Stall, Böden oder auch über die Gaßen gehen.

36.: Die Feuerbeseher sollen alle Jahre viermal umgehen und visitieren, auch fleißig Obsicht halten, daß wenigsten2-3 Kübel voll Wasser im Hause seyn, es ist auch kein Spann oder dürr Holz auf dem Ofen oder hinter demselben gestattet.

          • 37.: Es soll keiner in seinem Hauß Flachs dörren, auch weder morgens vor dem Gebett läuten noch abends nach dem Gebett läuten im Flachs etwas schaffen, außer dem einen, er wolle beim Mondschein riffeln. Wer darwieder handelt oder auch sonst ungewöhnlich feuert, das Feuer in seinem Hauß auskäme, ist der Gemeind strafbar um l Gulden und noch darzu beym Ambt anzuzeigen.
  • 39.: Es sollen auch allzeit zwei Gemeinsmänner einen Feueraymer auf ihrer Hofreith miteinander  halten, solchen auf St.Thomastag vor die Gemeind bringen und besichtigen laßen, ob sie Wasser halten und nicht schadhaft. Welche  hierin fahrläßig befunden worden, sind strafbar um 5 Seh.

40.: Welcher nach Anziehung der Sturmglocken oder  dreimaldiger Lösung des Doppelhackens nicht erscheint, ist strafbar um 5 Sch.

41.: Das Gemeind-Maß oder Viertel soll in des  Baurenmeisters Hauß verwahrt und von dem, der es entlehnt, nicht über Nacht behalten, sondern wieder dahin geliefert werden. So viele Nacht einer es aber bey sich behält, soll er allemahl l Seh. zur Straf verfallen seyn.

42.: Es soll keiner dem anderen einen ungewöhnlichen neuen Weg durch seine Gärten, Äcker oder Wiesen machen, noch dem anderen in die Äpfel, Birnen, Kirschen oder ander Obst steigen oder auch in des anderen Äcker und Wiesen ohne Erlaubnis grasen und zu schaden Vieh darin treiben, bey Straf der Gemeind umb 5 Seh. und soll dem Beschädigten sein Schaden ablegen und auch der Herrschaft zur Büß stöhn.

43. Wer aber dergleichen, darmit er nicht so leicht gerügt werden möge, unter dem Gottesdienst zu practicieren und auf dem Feldt freventlicher Weis Schaden zu thun sich untersteht, soll 3 Sch. gebüßt werden und der Herrschaft Straf vorbehalten sein.

45.: Es soll auch keiner dem anderen die auf seinen Äckern oder Wiesen stehenden Geschlachten (veredelten) oder Wildäpfel oder Birnbaum schütteln und auflesen, bey 6 Sch. Straf.

49. Es soll keiner einen fruchttragenden Baum, er stehe gleich auf dem Seinigen oder einem Anderen uff der Gemeindt oder auch in Hölzern einigen Schaden zufügen, verderben oder Feuer dazu machen, viel weniger gar umhauen ohn der Gemeindt Wissen und Bewilligung bey Straf einen Gemeinsmann 15 Sch.  Ein Fremder aber soll bay dem Ambt angezeigt und daselbst abgestraft werden.

        • 50.: Welcher nach dem Gebettläuten Garben sammelt außer höchster Noth ist dem Ambt strafbar.
  • 55. Weilen an der Dorfwacht sehr viel gelegen, so sollen diejenigen so die Wacht haben, bay Tag mit ihren Spießen sich im Dorf finden laßen und fleißig umgehen. Die Wächter auch zur Nachtzeit die Stundt an 3 Orthen, alß oben, mitten und unten im Dorf mit lauter Stimm anschreyen und nicht gleich nach dem ausrufen in ihre Häuser laufen, sondern aller Orthen nach dem Feuer fleißig Obsicht haben und umbschauen, bey 10 Sch.Straf unter Vorbehalt der Herrschaftlichen Ahndung.

62. Vor Burckhardtstag (14.10.) soll niemandt mit seinem Vieh dem anderen auf seine Wiesen fahren, auch der Hirth nicht, noch auch jemandt dem anderen darinnen grasen. Zehn Tag nach Burkhardi aber soll beides erlaubt und das Gras auf den Wiesen preiß seyn. Wer darwider handelt ist nebst dem Abtrag des Beschädigten auch der Gemeind bußfällig um 5 Sch.

63. Weilen die Erfahrung zeigt/es, durch die Böckh und Geiß in Gärten, an Hecken und Bäumen öfters viel Schaden verursacht wirdt, so sollen selbige auszutreiben verbotten sein. Sofern aber einer dergleichen Vieh dennoch halten will, soll er solches in seinem Stall , dem Nächsten oder Gemeindt ohn Schaden thun, bey Straf 15 Sch.

66. Der Baurenmeister soll nach bisheriger Observanz alljährlich zweimal, als auf Johannis (24.6.) und dann auf Andreastag (30.11.) das Vieh, so man unter die Hirthen treibt, aufschneiden (ankerben) und hierauf die Hirthenpfrünrit (Entlohnung) auf 3 Termin, und zwar allwegen  auf einem hierzu angesetzten und bestimmten Tag vor gantzer Gemeindt  von denjenigen, so Vieh unter dem Hithen laufen haben, geäußert,auch von dem Baurenmeister dem Hirthen vorgemeldt werden.

67. Wer ein Stuck Vieh beym aufschreiben der Pfründt verschweigt, ist nach Verfließung dreier Tag straffällig um 15 Sch.

        • 71.: Es soll nicht ein jeder Gemeinsmann oder dessen Weib dem Hirth nach seinem Gefallen einzureden Macht haben, sondern ein jedes sein Klag und Beschwerd dem Baurenmeister anzeigen,  der dann, was Recht ist, dem Hirthen zu befehlen hat.
  • 72.: Den Farren und Eber hat nach altem Herkommen ein jedes-mahliger Pfarrer zu Haßfelden, welcher den Zehnten genießt, zu halten und die Herdt damit zu versehen. Dargegen ihm mit Einrechnung des Gantzen oder Faselviehs sechs Stück unter der Herd frey gelassen werden, so er nicht verpfründen darf.

76.: Wer fremdt Vieh kauft, soll solches wenigstens 3 Tag im Stall behalten und den Hauptleuthen einen Schein vorlegen, daß solches Vieh von gesunder Weid und Orth, wo kein Seuch,herkommt. Wann aber einer an anderen Orthen wißentlich und mit Fleiß dergleichen Vieh kauft und darbei Gefahr zu besorgen, soll dasselbe Vieh gar verschlagen und er um l Gulden gestraft werden, darby auch die Herrschaftlich Bestrafung zu gewarten haben.

77. So ein Gemeinsmann ein krankh Vieh in seinem Stall hat, soll er das von anderem gesunden Vieh sogleich absondern und solches, so lange es krankh ist, nicht auß dem Stall laßen, viel weniger zur Tränkh treiben, bey 10 Sch. Straf.

79. Wegen der Wässerung aus der Wette in den Brübelwiesen ist es zwischen den dermaligen Besitzern solcher Wiesen rlergestalten verglichen, daß nemlichen die erste Woche, vom Montag bis Freitag mittags Georg Lober, vom Freitagmittag;. t bis Samstagabends Leonhard Kraft und dann vom Samstagabends bis Montagfrüh Herr Pfarrer solche Wässerung genießen und in ihre Wiesen einleithen sollen. In der anderen Woche  aber hat Hannß Michel Hübner vom Montagfrüh bis Freitagmittags, obgedachter Kraft aber wieder vom Mittag des Freitag an bis auf den Samstagabend und dann vom Abend bis montag früh darauf abermahlen Herr Pfarrer diese Wässerung zu genießen.

(vorstehend die wesentlichsten des 80 Punkte umfassenden Originals, übertragen durch BM i. R. Kuno Haberkern)